Artikel · Umsatzsteuer
Umsatzsteuer für Selbstständige in Österreich 2026: was du wirklich verrechnen musst
Keine Zeit? Zum Quick Click-Through →
Du hörst von Kolleg:innen völlig widersprüchliche Dinge: Der eine verrechnet nie Umsatzsteuer, die andere holt sich jedes Jahr tausende Euro Vorsteuer zurück. Beides kann richtig sein – aber nur, wenn du weißt, in welcher Situation du gerade bist.

Stand: · Geprüft von Pascal Schraml, Steuerberater, Gründer von PSTax
Auf einen Blick
- Standard-Umsatzsteuersatz: 20 %
- Kleinunternehmergrenze: 55.000 € brutto/Jahr, 2025 und 2026 unverändert
- Toleranzgrenze bis 60.500 €: Befreiung läuft bis Jahresende weiter, danach endet sie sofort
- Vorsteuerabzug nur mit ordnungsgemäßer Rechnung, Kleinbetragsrechnung bis 400 € brutto
- UVA: monatlich ab 100.000 € Vorjahresumsatz, sonst vierteljährlich, unter 55.000 € meist gar nicht
- Freiwilliger Verzicht auf den Kleinunternehmer-Status bindet dich 5 Jahre
Passt die Kleinunternehmerregelung zu dir? → Kleinunternehmer-GuideBald
Die Umsatzsteuer ist nie dein Geld
Du schlägst sie auf deine Rechnung auf, kassierst sie von deinem Kunden und leitest sie ans Finanzamt weiter. Wirtschaftlich trägt sie damit letztlich dein Kunde, nicht du.
Beispiel: Du stellst 1.000 € netto + 200 € USt in Rechnung, dein Business-Kunde zahlt 1.200 € brutto. Du führst die 200 € ans Finanzamt ab, dein Kunde bekommt sie als Vorsteuer zurück. Netto-Effekt für einen Business-Kunden: 0 €. Wirklich zahlen tun am Ende nur private Endverbraucher, die nichts zurückbekommen.
Klingt einfach, aber
Eine fehlerhafte Rechnung kann deinem Kunden den Vorsteuerabzug kosten – und dir im schlimmsten Fall USt einbrocken, die du nie verrechnet hast.
Wie hoch ist die Umsatzsteuer in Österreich?
Der Regelsteuersatz liegt bei 20 %, für bestimmte Leistungen gelten ermäßigte Sätze von 10 % oder 13 %. Das gilt für 2025 und 2026 unverändert; ab 1. Juli 2026 kommt zusätzlich ein Satz von 4,9 % auf ausgewählte Grundnahrungsmittel dazu – für die meisten Freelancer-Leistungen nicht relevant.
Der Vorsteuerabzug: dein Ausgleich fürs Einkaufen
Die Umsatzsteuer, die du selbst beim Einkauf zahlst, bekommst du als Vorsteuer vom Finanzamt zurück – du zahlst effektiv nur die Differenz zwischen verrechneter USt und bezahlter Vorsteuer.
Beispiel: Du kaufst einen Laptop um 1.200 € brutto (inkl. 200 € USt) und bekommst die 200 € zurück.
Klingt einfach, aber
Ohne ordnungsgemäße Rechnung gibt es keinen Abzug, und auf rein privat veranlasste Käufe nie.
Welche Rechnung du für den Vorsteuerabzug brauchst
Für den vollen Vorsteuerabzug brauchst du eine Rechnung mit allen gesetzlichen Pflichtangaben; bis 400 € brutto reicht eine vereinfachte Kleinbetragsrechnung.
Was heißt das für dich: Prüf Eingangsrechnungen auf Vollständigkeit, bevor du sie ablegst – eine fehlende Angabe kostet im Ernstfall den ganzen Vorsteuerabzug, nicht nur einen Teil.
Wie oft die Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) fällig ist
Das hängt von deinem Vorjahresumsatz ab: über 100.000 € monatlich, bis 100.000 € vierteljährlich, unter 55.000 € meist gar nicht – die Zahllast bleibt trotzdem fällig. Fällig ist die UVA am 15. des zweitfolgenden Monats, bei vierteljährlicher Abgabe also 15. Februar, Mai, August, November.
Musst du überhaupt Umsatzsteuer verrechnen?
Nicht zwingend: Als Kleinunternehmer bis 55.000 € Jahresumsatz kannst du von der Umsatzsteuer befreit bleiben – dafür bekommst du dann aber auch keine Vorsteuer zurück. Welche Variante sich für dich lohnt, hängt vor allem von deinen Kunden und Ausgaben ab (mehr dazu im Guide zur KleinunternehmerregelungBald).
Kunden im EU-Ausland
Erbringst du Dienstleistungen für ein Unternehmen in einem anderen EU-Land, verrechnest du in der Regel keine österreichische Umsatzsteuer. Die Steuer schuldet dein Kunde in seinem Land (Reverse Charge). Dafür brauchst du eine UID-Nummer, auch als Kleinunternehmer. Auf der Rechnung stehen deine UID, die UID deines Kunden und der Hinweis auf den Übergang der Steuerschuld. Zusätzlich meldest du diese Umsätze regelmäßig in der Zusammenfassenden Meldung (ZM) ans Finanzamt. Bei Privatkunden oder beim Verkauf von Waren gelten andere Regeln.
Wann sich die Umsatzsteuerpflicht freiwillig lohnt
Wenn deine Kunden größtenteils Unternehmen sind, die die Vorsteuer ohnehin zurückbekommen, oder wenn du höhere Investitionen planst, kann ein freiwilliger Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung sich lohnen – du bekommst dann die Vorsteuer auf deine Einkäufe zurück. Klingt einfach, aber: der Verzicht (Regelbesteuerungsantrag) bindet dich mindestens 5 Kalenderjahre. Keine Entscheidung für aus dem Bauch heraus.
Fehler, die wir am häufigsten sehen
- Rechnung ohne USt-Ausweis geschrieben, obwohl man gar nicht (mehr) Kleinunternehmer ist
- Vorsteuer ohne ordnungsgemäße Rechnung abgezogen – fällt meist erst bei einer Prüfung auf
- Kleinunternehmergrenze überschritten und erst Monate später reagiert
- Reverse Charge bei Rechnungen von Google, Meta oder anderen ausländischen Anbietern übersehen
- Freiwillig auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet, ohne die 5-Jahres-Bindung einzupreisen
Was heißt das für dich? Ob Kleinunternehmer-Status oder Umsatzsteuerpflicht zu dir passt, hängt von deinen Kunden und Ausgaben ab – und von einer 5-Jahres-Bindung, wenn du dich umentscheidest. Das rechnen wir im kostenlosen Erstgespräch gemeinsam durch. Kostenloses Erstgespräch buchen.
Häufige Fragen
Muss ich als Freelancer Umsatzsteuer verlangen?
Was passiert, wenn ich vergessen habe, Umsatzsteuer zu verrechnen?
Bekomme ich die Mehrwertsteuer auf meinen Laptop zurück?
Ist Mehrwertsteuer dasselbe wie Umsatzsteuer?
Bis wann muss die UVA abgegeben werden?
Muss ich bei Rechnungen ins Ausland Umsatzsteuer verrechnen?
Was passiert, wenn ich die Kleinunternehmergrenze überschreite?
Brauche ich eine UID-Nummer als Kleinunternehmer?
Kann ich freiwillig auf die Kleinunternehmerregelung verzichten?
Weiterlesen 2-Minuten-Kurzinfo zu diesem ThemaBald · KleinunternehmerregelungBald · UID-NummerBald
Quellen
- usp.gv.at: Umsatzsteuer Überblick – Steuersätze, öffnet in neuem Tab
- usp.gv.at / wko.at: Kleinunternehmerregelung, öffnet in neuem Tab
- usp.gv.at: Rechnungsmerkmale für den Vorsteuerabzug, öffnet in neuem Tab
- usp.gv.at: Umsatzsteuervoranmeldung, öffnet in neuem Tab
Unsicher, wo du stehst?
Ob Kleinunternehmer-Status oder Umsatzsteuerpflicht für dich passt, hängt von deinen Kunden und Ausgaben ab. Im kostenlosen 30-Minuten-Erstgespräch rechnen wir das für dich durch.
PSTax betreut über 600 Klient:innen in Österreich, Fixpreise ab 800 €/Jahr, auf Deutsch und Englisch.

Pascal Schraml
Steuerberater, Gründer von PSTax
Berät seit 2023 Selbstständige und Freelancer in Österreich, Betreuung auf Deutsch und Englisch, über 600 Klient:innen.
Allgemeine Information, ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Alle Zahlen gelten für 2026 und ändern sich jährlich. PSTax (Pascal Schraml Steuerberatung FlexCo) ist Mitglied der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen (KSW).
Weitere Themen
SVS-Beiträge 2026 und SVS-Nachzahlung: Was Selbständige in Österreich wirklich zahlen
SVS-Beiträge 2026 für Selbständige in Österreich: was du zahlst, wann die SVS-Nachzahlung kommt und wie du sie berechnest. Vom Steuerberater erklärt.
Aktualisiert: 21 Min. Lesezeit
Lieber persönlich klären?
Mach den Fit Check in 2 Minuten und buch dein kostenloses Erstgespräch.
Fit Check starten →