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SVS-Beiträge 2026 und SVS-Nachzahlung: Was Selbständige in Österreich wirklich zahlen
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Alle fürchten das Finanzamt. Teuer wird es meistens bei der SVS — weil die ersten Vorschreibungen nur vorläufig sind und dir das niemand sagt.

Von Pascal Schraml, Steuerberater · Stand:
SVS 2026 auf einen Blick
- Wer zahlt
- Fast alle Selbständigen in Österreich
- Mindestbeitragsgrundlage
- 551,10 € / Monat
- Höchstbeitragsgrundlage
- 8.085,00 € / Monat
- Niedrigstmöglicher Beitrag
- 160,81 € / Monat
- Zahlung
- 4× im Jahr oder monatlich
- Versicherungsgrenze Neue Selbständige
- 6.613,20 € / Jahr
- Der Haken
- Die Beiträge werden Jahre später neu berechnet
Deine Zahlen schätzen
Sieh dir an, was Einkommensteuer und SVS heuer ungefähr von deinem Umsatz nehmen.
Was ist die SVS?
Die SVS ist die Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen. Wer angestellt ist, ist bei der ÖGK versichert und der Arbeitgeber erledigt alles. Wer selbständig ist, ist bei der SVS versichert — und erledigt alles selbst.
Die SVS ist keine Steuer. Sie ist eine Versicherung und umfasst Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung sowie die Selbständigenvorsorge.
Zwei Behörden, zwei Vorschreibungen: Das Finanzamt holt sich die Einkommensteuer, die SVS die Sozialversicherung. Die beiden reden miteinander — und genau daraus entsteht die Überraschung. Dazu weiter unten mehr.
Muss ich überhaupt SVS zahlen?
Mit hoher Wahrscheinlichkeit ja. Welche Regeln für dich gelten, hängt davon ab, wie du selbständig bist. Es gibt zwei Gruppen.
1. Mit Gewerbeschein (Gewerbetreibende)
Wenn deine Tätigkeit einen Gewerbeschein braucht — IT-Dienstleistungen, Fotografie, die meisten Beratungsgewerbe, Personal Training, viele Handwerke — wirst du mit der Anmeldung Mitglied der Wirtschaftskammer. Die SVS-Pflichtversicherung beginnt am selben Tag. Eine Einkommensgrenze gibt es grundsätzlich nicht: Auch bei null Umsatz fällt der Mindestbeitrag an. Unter bestimmten Voraussetzungen kannst du dich aber auf Antrag von einem Großteil der Beiträge befreien lassen (mehr dazu unter Die Kleinstunternehmerregelung).
2. Ohne Gewerbeschein (Neue Selbständige)
Manche Tätigkeiten brauchen keinen Gewerbeschein — Schreiben, Vortragen, Übersetzen, bestimmte therapeutische und künstlerische Arbeit. Das sind die sogenannten Neuen Selbständigen. Hier gilt eine Grenze: Pflichtversichert bist du erst, wenn dein Gewinn 2026 über 6.613,20 € liegt.
Wichtig
In welche Gruppe du fällst, ist keine Entscheidung. Es ergibt sich aus der Tätigkeit selbst. Das am Anfang falsch einzuordnen gehört zu den teureren Fehlern, weil es rückwirkend korrigiert wird.
Du bist angestellt und nebenbei selbständig? Dann zahlst du ASVG über den Dienstgeber und SVS auf deinen selbständigen Gewinn. Verloren ist dabei nichts: Die beiden Beitragsgrundlagen zusammen sind mit der Höchstbeitragsgrundlage gedeckelt. Die SVS berücksichtigt das automatisch (Differenzvorschreibung) und erstattet zu viel gezahlte Pensionsbeiträge von Amts wegen — nur die Unfallversicherung zahlst du doppelt.
Wie viel kostet die SVS 2026?
Die Sätze sind Prozentsätze deiner Beitragsgrundlage. Alle zahlen mindestens auf die Mindestbeitragsgrundlage, niemand auf mehr als die Höchstbeitragsgrundlage.
| Sparte | Satz 2026 | Auf 551,10 € / Monat |
|---|---|---|
| Pensionsversicherung | 18,50 % | 101,95 € |
| Krankenversicherung | 6,80 % | 37,48 € |
| Selbständigenvorsorge | 1,53 % | 8,43 € |
| Unfallversicherung | Fixbetrag | 12,95 € |
| Mindestbeitrag gesamt | — | 160,81 € / Monat |
Das sind 482,43 € pro Quartal oder 1.929,72 € pro Jahr — weniger zahlt 2026 niemand. Die Höchstbeitragsgrundlage liegt bei 8.085,00 € monatlich (97.020,00 € jährlich); darüber steigen die Beiträge nicht weiter. Sätze und Grundlagen veröffentlicht die Wirtschaftskammer, Beitragswesen Selbständige 2026, öffnet in neuem Tab.
Wird gern übersehen
Deine Beitragsgrundlage ist nicht einfach dein Gewinn. Sie ist dein Gewinn plus die Kranken- und Pensionsbeiträge, die dir die SVS in diesem Jahr vorgeschrieben hat — inklusive Nachzahlungen für frühere Jahre, die in diesem Jahr vorgeschrieben wurden. Die Grundlage liegt also immer etwas über der Zahl in deiner Steuererklärung — und die Vorschreibung entsprechend auch.
Du willst eine Hausnummer für deine Situation? Unser Steuer-Rechner schätzt aus Umsatz und Ausgaben, was von Einkommensteuer und SVS übrig bleibt.
Warum das erste Jahr günstig wirkt — und was daran das Problem ist
In den ersten drei Kalenderjahren deiner Selbständigkeit schreibt dir die SVS vorläufig den Mindestbeitrag vor — 160,81 € im Monat, egal was du verdienst. Das fühlt sich an wie ein Geschenk. Es ist eher ein Kredit.
- Krankenversicherung, Jahr 1 und 2 (mit Gewerbeschein): fix auf dem Mindestbeitrag, und sie wird nie nachbemessen — sofern du in den zehn Jahren davor nicht nach GSVG versichert warst. Dasselbe gilt für die Selbständigenvorsorge. Dieser Teil ist tatsächlich ein Geschenk.
- Pensionsversicherung, ab dem ersten Tag: vorläufig. Sie wird immer nachbemessen, für jedes Jahr.
- Ab dem dritten Jahr: auch die Krankenversicherung wird nachbemessen.
Wenn du also im ersten Jahr 50.000 € verdienst und 1.929,72 € zahlst, hast du nicht 1.929,72 € für dieses Jahr gezahlt. Du hast eine Anzahlung geleistet.
SVS-Nachzahlung: wann sie kommt und wie du sie berechnest
Die SVS-Nachzahlung entsteht durch die Nachbemessung — das Wichtigste, was man über die SVS verstehen muss. Sie läuft in drei Schritten ab.
- 1
Du zahlst einen vorläufigen Betrag — Die SVS kennt deinen Gewinn dieses Jahres noch nicht. Also schreibt sie vorläufig vor: in den ersten drei Jahren den Mindestbeitrag, ab dem vierten Jahr deine Beitragsgrundlage aus dem drittvorangegangenen Jahr, aufgewertet.
- 2
Dein Steuerbescheid kommt — Du gibst die Einkommensteuererklärung ab, das Finanzamt erlässt den Einkommensteuerbescheid und übermittelt die Zahlen an die SVS. Den Bescheid für ein Jahr bekommst du typischerweise im Jahr danach.
- 3
Die SVS rechnet neu — und belastet doppelt — Die Nachzahlung für das alte Jahr schreibt die SVS im darauffolgenden Jahr vor, verteilt auf die vier Quartale. Ohne dein Zutun zahlst du für Jahr 1 also erst in Jahr 3. Ab dem vierten Jahr richtet sich zusätzlich auch deine laufende Vorschreibung nach deinem tatsächlichen Gewinn — dann zahlst du eine Zeit lang Nachzahlung und höhere laufende Beiträge gleichzeitig.
Was das in Zahlen heißt
Vereinfachtes Beispiel: erstes Jahr der Selbständigkeit 2026 mit Gewerbeschein, Gewinn 45.000 €, keine weiteren Einkünfte.
- 2026 an die SVS gezahlt
- 1.929,72 €
- Nachzahlung für 2026 (Bescheid 2027, vorgeschrieben 2028 in vier Quartalen)
- ≈ 7.400 €
- Monatsbeitrag vor der Nachbemessung
- 160,81 €
- Laufender Monatsbeitrag ab 2029 (vorläufig, auf Basis 2026)
- ≈ 1.050 €
Gerundete Darstellung auf Basis der Sätze von 2026, für einen konkreten Fall. Deine Zahlen sehen anders aus. Mit Gewerbeschein werden Kranken- und Selbständigenvorsorge im ersten Jahr nicht nachbemessen, nachgezahlt wird nur die Pensionsversicherung. Der Monatsbeitrag ab 2029 ist ohne die jährliche Aufwertung gerechnet; die Nachzahlung für 2027 kommt 2029 noch dazu.
In diesem Beispiel ist nichts schiefgegangen. Niemand hat einen Fehler gemacht. So funktioniert das System — und deshalb sollte man als Selbständige:r in Österreich immer Geld halten, das sich nicht nach dem eigenen anfühlt.
Du musst aber nicht bis Jahr 3 warten. Sobald der Einkommensteuerbescheid da ist, kann man bei der SVS eine vorzeitige Endabrechnung beantragen. Dann ist Jahr 1 schon etwa im zweiten Quartal von Jahr 2 abgerechnet — die Nachzahlung kommt früher, aber planbar und ohne dass sich mehrere Jahre übereinanderschieben. Für unsere Klient:innen beantragen wir das nach dem Bescheid (mit ihrem OK).
Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen
Landesstelle Wien · Beitragsabteilung
Versicherungsnummer
0000 01 01 80
Vorschreibung 1. Quartal 2026
Beitragszeitraum 01.01.2026 – 31.03.2026 · Fälligkeit: 28.02.2026
- Pensionsversicherung (18,50 %)
- 305,85
- Krankenversicherung (6,80 %)
- 112,44
- Selbständigenvorsorge (1,53 %)
- 25,29
- Unfallversicherung (Fixbetrag)
- 38,85
- Zu zahlender Betrag
- EUR 482,43
Die Beiträge werden vorläufig vorgeschrieben und nach Vorliegen des rechtskräftigen Einkommensteuerbescheides endgültig festgestellt (§ 25 GSVG).
Was die vier Markierungen zeigen
- Nur ein Quartal. Drei weitere Vorschreibungen folgen im selben Jahr.
- Die Beitragsgrundlage — jeder Betrag darunter ist ein Prozentsatz dieser einen Zahl.
- Was du tatsächlich überweist. Es fühlt sich an wie der Preis. Es ist eine Anzahlung.
- Die Zeile, die fast niemand liest. „Vorläufig" heißt: Dieser Betrag wird neu berechnet, sobald dein Steuerbescheid da ist.
Nachgebaute SVS-Quartalsvorschreibung, mit den Mindestwerten 2026 — kein Scan eines echten Dokuments. Die entscheidende Zeile ist die, die die meisten überspringen.
So berechnest du deine SVS-Nachzahlung — grob, in vier Schritten
- Gewinn des Jahres nehmen — aus deiner Buchhaltung oder Steuererklärung.
- Davon rund 27 % rechnen. Das ist ungefähr die SVS, die für dieses Jahr insgesamt anfällt. Genauer: Gewinn plus die für dieses Jahr vorgeschriebenen Kranken- und Pensionsbeiträge, davon 27 %. In den ersten beiden Jahren mit Gewerbeschein wird nur die Pensionsversicherung nachbemessen — dann rechnest du mit 18,5 %.
- Abziehen, was dir für dieses Jahr schon vorgeschrieben wurde. Nur Beiträge für dieses Jahr zählen — was du heuer gezahlt hast, kann Nachzahlungen für frühere Jahre enthalten.
- Der Rest ist deine ungefähre Nachzahlung. Im Beispiel oben: (45.000 € + 1.673 € vorgeschriebene Beiträge) × 18,5 % − 1.223 € bereits vorgeschriebene Pensionsbeiträge ≈ 7.400 €.
Noch gröber, wenn du deinen Gewinn nicht kennst: Mit Basis- oder Kleinunternehmerpauschalierung liegt die SVS bei rund 20 % deines Umsatzes — davon ziehst du wieder ab, was für dieses Jahr schon vorgeschrieben wurde. Eine schnelle Schätzung gibt dir der Rechner unten; Einkommensteuer und SVS gemeinsam schätzt unser Steuer-Rechner.
Rechner
SVS-Schätzung
Das ist nur eine grobe Schätzung
Der Rechner vereinfacht stark (Faustregeln, keine Sonderregeln für Neugründer, unterjährigen Start oder Nachzahlungen für Vorjahre). Er ersetzt keine Berechnung mit deinen echten Zahlen.
Mindestbeitrag 2026: 482,43 € pro Quartal (1.929,72 € pro Jahr).
Umsatz-Variante: SVS ≈ 20 % vom Umsatz. Gewinn-Variante: SVS ≈ 26,83 % vom Gewinn.
Höchstens ca. 26.200 € pro Jahr (Höchstbeitragsgrundlage 2026: 97.020 €).
Der Rechner beginnt bei 10.000 € Umsatz bzw. 6.500 € Gewinn. Darunter macht eine Vorauszahlung vermutlich keinen Sinn; Pflichtbeiträge fallen in der Regel erst ab ca. 6.613 € Gewinn an.
Wenn du erst während des Jahres begonnen (oder aufgehört) hast, berücksichtigt der Rechner das nicht korrekt.
Vereinfacht, ohne Sonderregeln für Neugründer und Hinzurechnungen. Gerundet.
Das ist nur eine grobe Schätzung.
Warum ist das wichtig?
Nur Beiträge für 2026 zählen. Nicht alles, was du heuer an die SVS überwiesen hast, zählt auch als Vorauszahlung für das Jahr 2026.
Was du heuer an die SVS gezahlt hast, kann auch Nachzahlungen aus Vorjahren enthalten. Diese Nachzahlungen wirken nicht als Vorauszahlung für das laufende Jahr.
Beispiel: Du zahlst heuer 10.000 € an die SVS. Davon sind 8.000 € eine Nachzahlung für Vorjahre – dann wirken nur 2.000 € als Vorauszahlung für 2026.
Die genaue Aufteilung rechnen wir im November für dich aus – mit deinen aktuellen Daten aus dem SVS-Portal.
Geschätzte Nachzahlung 2026
Ergebnis
Vorauszahlung sinnvoll
Es wird vermutlich zu einer Nachzahlung von SVS-Beiträgen kommen, sodass eine freiwillige Vorauszahlung Sinn machen kann. Wir melden uns ab Anfang November mit einer genaueren Schätzung.
SVS-Beiträge für 2026 (geschätzt): € 10.000. Geschätzte Nachzahlung 2026: € 8.100. Vorauszahlung sinnvoll.
Generell gilt: In den meisten Fällen bedeutet eine freiwillige Vorauszahlung nur eine Verschiebung. Die Höhe der SVS-Beiträge ändert sich dadurch nicht. Es können sich aber durchaus Situationen ergeben, in denen sich insgesamt ein steuerlicher Vorteil ergibt.
Die wichtigste Grundregel: SVS-Beiträge in dem Jahr zahlen, in dem du das höchste Einkommen erzielst – dann sind der Steuersatz und damit der Steuervorteil am größten.
Wann eine Vorauszahlung besonders sinnvoll ist
Wenn …
- du dein Business beendest oder pausierst,
- du nächstes Jahr deutlich weniger verdienen wirst – z. B. Auslandsaufenthalt, Karenz oder ein absehbar schwächeres Jahr,
- du heuer gut verdienst und die Nachzahlung nicht erst in zwei Jahren spüren willst.
Wann wir eher nicht zu einer Vorauszahlung raten
Wenn …
- dein Umsatz heuer sehr niedrig ist – z. B. weil dein Business gerade neu gestartet ist,
- du künftig deutlich höhere Gewinne erwartest,
- dein Gewinn heuer ohnehin niedrig ist, weil du hohe SVS-Nachzahlungen für Vorjahre zahlst,
- du dir die Vorauszahlung nicht gut leisten kannst – besonders, wenn nächstes Jahr wenig oder kein Einkommen kommt.
Wann zahlst du?
Die SVS schreibt quartalsweise vor. Die Fälligkeiten sind immer dieselben:
- 28. Februar — erstes Quartal
- 31. Mai — zweites Quartal
- 31. August — drittes Quartal
- 30. November — viertes Quartal
Du kannst auf monatliche Abbuchung umstellen, was den meisten unserer Klient:innen die Planung erleichtert. Nachzahlungen aus der Nachbemessung kommen zusätzlich, verteilt auf die vier Quartalsvorschreibungen des Folgejahres. Wer zu spät zahlt, zahlt Verzugszinsen — wenn es eng wird, also lieber vor der Fälligkeit um Ratenzahlung ansuchen, statt es laufen zu lassen.
Wofür zahlst du eigentlich?
Eine Rechnung, die man versteht, zahlt sich leichter. Deine SVS-Beiträge bringen dir:
- Krankenversicherung — e-card, Arzt und Facharzt, Spital, und Mitversicherung von Angehörigen.
- Pensionszeiten — mit Abstand der größte Teil der Vorschreibung. Jedes Versicherungsjahr zählt für deine Pension und für die Mindestversicherungszeiten, die du überhaupt brauchst, um eine zu bekommen.
- Unfallversicherung — auch auf dem Weg zum Kunden, für 12,95 € im Monat.
- Selbständigenvorsorge — 1,53 % wandern in einen Topf auf deinen Namen. Der gehört dir und wird später ausgezahlt.
Dazu kommen Leistungen, von denen viele nichts wissen: Unterstützung bei längerer Krankheit, Wochengeld, Vorsorgeprogramme. Was davon auf dich zutrifft, hängt von deiner Situation ab — fragen lohnt sich mehr als annehmen.
Wenn du wenig verdienst
Unter der Versicherungsgrenze als Neue:r Selbständige:r
Bleibst du 2026 unter 6.613,20 € Gewinn, gibt es keine Pflichtversicherung in Kranken- und Pensionsversicherung. Daran hängt aber eine Falle:
Der Beitragszuschlag von 9,3 %
Wenn dein Gewinn die Grenze doch überschreitet, musst du das der SVS selbst melden — mit einer Überschreitungserklärung, entweder im laufenden Jahr oder innerhalb von acht Wochen nach deinem Steuerbescheid. Versäumst du das, verrechnet die SVS einen Zuschlag von 9,3 % auf die Beiträge. Es ist eine der am leichtesten vermeidbaren Strafzahlungen im österreichischen System — und eine der am häufigsten gezahlten.
Die Kleinstunternehmerregelung
Wenn du einen Gewerbeschein hast, dein Betrieb aber wirklich klein ist, kannst du dich von der Kranken- und Pensionsversicherung ausnehmen lassen. Für 2026 müssen beide Grenzen halten: Gewinn höchstens 6.613,20 € und Umsatz höchstens 55.000 €.
Zwei Dinge werden hier oft falsch verstanden. Erstens steht die Ausnahme nur bestimmten Gruppen offen — vor allem Personen, die in den letzten fünf Jahren höchstens zwölf Monate nach GSVG pflichtversichert waren (also Neugründer:innen), älteren Selbständigen (ab 57 unter weiteren Voraussetzungen) und Eltern, die Kinderbetreuungsgeld beziehen. Zweitens beginnt sie frühestens mit 1. Jänner des Jahres, in dem dein Antrag bei der SVS einlangt — ein Antrag bis 31. Dezember kann also noch das laufende Jahr abdecken (wenn du in diesem Jahr keine Leistungen bezogen hast), für Vorjahre geht es nicht mehr. Die Unfallversicherung von 12,95 € im Monat bleibt in jedem Fall verpflichtend.
Die Vorschreibung ist zu hoch — oder zu niedrig. Was du tun kannst
Mehr als die meisten denken. Die SVS ist deutlich flexibler, als ihre Schreiben klingen — nur passiert nichts von selbst.
Die vorläufigen Beiträge herabsetzen (Herabsetzungsantrag)
Wenn dieses Jahr klar schwächer wird als das Vergleichsjahr, kannst du eine Herabsetzung der vorläufigen Beiträge beantragen. Praktisch, wenn es liquiditätsmäßig eng ist — aber sei dir im Klaren, was es bedeutet: weniger jetzt heißt mehr bei der Nachbemessung.
Umgekehrt geht es auch: Beantragst du im SVS-Portal eine Hinaufsetzung (Erhöhung) der vorläufigen Beitragsgrundlage, siehst du dort den neuen, höheren Quartalsbetrag — und die SVS verrechnet die Differenz für alle bereits vergangenen Quartale des laufenden Jahres sofort nach. Du zahlst dann auf einen Schlag einen größeren Betrag. Das kann sinnvoll sein; im vierten Quartal, ohne das zu wissen, ist es aber riskant. Eine freiwillige Vorauszahlung ändert die Vorschreibung dagegen nicht.
Freiwillig vor dem 31. Dezember vorauszahlen
Du kannst vor Jahresende freiwillig einen Betrag an die SVS überweisen, der ungefähr der zu erwartenden Nachzahlung für das laufende Jahr entspricht. Das passiert dabei:
- Die Zahlung ist im Jahr der Zahlung als Betriebsausgabe absetzbar, wenn sie auf einer sorgfältigen Schätzung beruht (EStR Rz 4623) — auch zusätzlich zur Basis- oder Kleinunternehmerpauschalierung.
- Sie landet als Guthaben auf deinem SVS-Konto. Zweckwidmen kannst du es nicht: Die SVS verrechnet es automatisch mit den nächsten Quartalsvorschreibungen.
- Die Vorschreibung selbst ändert sich nicht — anders als bei einer Hinaufsetzung, bei der die SVS die Differenz für die schon vergangenen Quartale des Jahres sofort auf einmal nachverrechnet. Die Grundlage steigt erst, wenn die SVS mit dem Steuerbescheid endgültig abrechnet.
Wichtig
Zahl deine Quartalsvorschreibungen nach einer Vorauszahlung ganz normal weiter. Sonst ist das Guthaben aufgebraucht, bevor die Nachzahlung kommt. Eine Rückzahlung des Guthabens wäre übrigens wieder eine Betriebseinnahme — davon raten wir ab.
Ehrlich gesagt: In den meisten Fällen ist die Vorauszahlung eine Verschiebung, keine Ersparnis — bei der Steuer wie bei der SVS. Die Beiträge zählen im Jahr ihrer Vorschreibung zur Beitragsgrundlage (§ 25 GSVG), und die Betriebsausgabe fällt nur früher an. Einen echten Steuervorteil gibt es, wenn du im Jahr mit dem höheren Einkommen und Grenzsteuersatz zahlst — etwa wenn du den Betrieb beendest oder pausierst, nächstes Jahr deutlich weniger verdienst, in Karenz gehst oder ins Ausland ziehst.
Der eigentliche Nutzen ist ein anderer: Du weißt, was kommt, und wirst nicht überrascht.
Eher nicht sinnvoll ist sie, wenn du gerade erst begonnen hast oder sehr wenig Umsatz machst (unter rund 10.000 € Umsatz bzw. 6.613,20 € Gewinn), wenn du später deutlich höhere Gewinne erwartest, wenn dein Gewinn heuer ohnehin durch große Nachzahlungen für Vorjahre niedrig ist, oder wenn du dir die Zahlung schlicht nicht leisten kannst. Unter rund 20.000 € Gewinn (Grenzsteuersatz höchstens 20 %) ist sie selten dringend. Achtung beim Vergleich: Was du heuer an die SVS gezahlt hast, kann Nachzahlungen für frühere Jahre enthalten — zählen nur die Beiträge für das laufende Jahr.
So machen wir das mit unseren Klient:innen: Ihr haltet die Buchhaltung aktuell. Ab Anfang November, sobald die Vorschreibung für das vierte Quartal im SVS-Portal sichtbar ist, holen wir die SVS-Daten und schicken jeder und jedem eine individuelle Schätzung samt Zahlungsinfo (SVS-IBAN, Sozialversicherungsnummer, Betrag). Wer bis Mitte Dezember nichts von uns gehört hat, muss nichts tun. Die Kurzfassung für Klient:innen: SVS-Vorauszahlung kurz erklärt.
Ratenzahlung und Stundung
Kommt eine Nachzahlung, die du nicht stemmen kannst, bewilligt die SVS in aller Regel Raten. Du musst nur fragen, schriftlich, und am besten vor der Fälligkeit. Nachzahlungen aus den ersten drei Jahren der Selbständigkeit kannst du auf Antrag außerdem statt auf vier auf zwölf Quartale verteilen.
SVS und Steuer gehören zusammen
Die beiden werden oft als getrennte Probleme behandelt. Sind sie nicht.
SVS-Beiträge sind Betriebsausgaben — auch neben der Basis- oder Kleinunternehmerpauschalierung. Sie senken deinen Gewinn und damit deine Einkommensteuer, und zwar (bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnung) im Jahr der Zahlung. Das hat praktische Folgen:
- Eine große SVS-Nachzahlung 2028 senkt deine Steuer für 2028.
- Ob du am 28. Dezember oder am 2. Jänner zahlst, verschiebt die Absetzbarkeit um ein ganzes Jahr.
- Setzt du deine SVS-Beiträge herab, steigt dein steuerpflichtiger Gewinn im selben Jahr.
Wer beides getrennt plant, zahlt fast immer mehr als nötig. Siehe dazu auch unseren Beitrag zur Einkommensteuer für Selbständige.Bald
Fünf Fehler, die wir am häufigsten sehen
- Die ersten Vorschreibungen für die echten Kosten halten. Das ist eine Anzahlung, kein Preis.
- Nichts zur Seite legen. Als Faustregel: rund ein Drittel des Gewinns für Steuer und SVS gemeinsam, auf ein eigenes Konto.
- Die Überschreitungserklärung versäumen. Acht Wochen nach dem Bescheid, dann 9,3 % obendrauf.
- Die Beiträge herabsetzen, ohne zu planen. Das verschiebt das Problem, es löst es nicht.
- Post liegen lassen. SVS-Schreiben enthalten Fristen, die mit der Zustellung zu laufen beginnen.

Häufige Fragen
Wie viel SVS muss ich als Selbständige:r zahlen?
Wie hoch ist der SVS-Mindestbeitrag 2026?
Wie hoch ist der maximale SVS-Beitrag?
Ab wann muss ich SVS zahlen?
Wann kommt die SVS-Nachzahlung?
Wie kann ich meine SVS-Nachzahlung berechnen?
Ist die SVS-Nachzahlung steuerlich absetzbar?
Soll ich SVS-Beiträge vor Jahresende freiwillig vorauszahlen?
Kann ich die SVS-Nachzahlung in Raten zahlen?
Kann ich meine SVS-Beiträge herabsetzen?
Kann ich mich als Kleinunternehmer:in von der SVS befreien lassen?
Ich bin angestellt und nebenbei selbständig. Zahle ich doppelt?
Offizielle Quellen
Alle Zahlen auf dieser Seite stammen aus offiziellen Quellen.
- WKO — Beitragswesen Selbständige 2026, öffnet in neuem Tab
Sätze, Mindest- und Höchstbeitragsgrundlage für 2026. - WKO — Gewerbliche Sozialversicherung für Neugründer 2026, öffnet in neuem Tab
Die feste Beitragsgrundlage in den ersten Jahren, und was nachbemessen wird und was nicht. - WKO — Endgültige Beitragsgrundlage, öffnet in neuem Tab
Wie die endgültige Beitragsgrundlage ermittelt wird und wie die Nachbemessung funktioniert. - SVS — Endgültige Berechnung in den ersten drei Jahren, öffnet in neuem Tab
Was in den ersten Jahren nachbemessen wird und wie die Nachzahlung auf Quartale verteilt wird. - SVS — Kleinunternehmer, öffnet in neuem Tab
Grenzen, begünstigte Gruppen und ab wann die Ausnahme gilt. - SVS — Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen, öffnet in neuem Tab
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Fachlich geprüft von Pascal Schraml
Steuerberater, Gründer von PSTax
Pascal berät seit 2023 Selbständige in Österreich und prüft jeden Beitrag auf dieser Seite fachlich. PSTax betreut über 600 Klient:innen, mehr als die Hälfte davon ohne deutsche Muttersprache.
Zu dieser Seite. Alle Werte gelten für das Beitragsjahr 2026 und ändern sich jährlich. Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen zur Sozialversicherung der Selbständigen in Österreich; er ist keine individuelle Beratung und kann sie nicht ersetzen, weil die richtige Antwort von deiner konkreten Situation abhängt. Fachlich geprüft von Pascal Schraml, Steuerberater, PSTax Steuerberatung FlexCo.
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Aktualisiert: 6 Min. Lesezeit
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